Ein Elektronikgerät braucht ein Gehäuse, das zu Platinen, Anschlüssen und Bedienung passt. In der Entwicklung stehen diese Anforderungen jedoch oft noch nicht endgültig fest. Ein Standardgehäuse lässt sich möglicherweise nur mit umfangreicher Nacharbeit verwenden. Ein eigenes Spritzgusswerkzeug bindet dagegen bereits Geld an einen bestimmten Konstruktionsstand.
Das Wichtigste vorab: Bei der Fräs-Biege-Technik fertigt LTP kundenspezifische Kunststoffgehäuse aus bearbeiteten und geformten Platten. Ein projektspezifisches Spritzgusswerkzeug wird nicht benötigt. Ob sich das Verfahren lohnt, entscheidet der gesamte Projektumfang – nicht die Stückzahl allein.
Was bedeutet „ohne Werkzeugkosten“?
Gemeint ist die entfallende Investition in ein projektspezifisches Spritzgusswerkzeug. Der Begriff bedeutet nicht, dass ein individuelles Gehäuse ohne Entwicklungs- oder Fertigungsaufwand entsteht.
Konstruktion, Material, CNC-Bearbeitung, Montage und Oberfläche werden weiterhin abgestimmt und kalkuliert. Vergleichen Sie deshalb den vollständigen Projektumfang: Welche Leistungen sind enthalten? Wird ein Muster benötigt? Welche Ausschnitte, Befestigungen und Beschriftungen gehören zur Ausführung?
Ein belastbares Angebot macht diese Punkte sichtbar. Der reine Stückpreis beantwortet die Frage nach dem passenden Fertigungsweg noch nicht.
Wie entsteht ein Gehäuse in Fräs-Biege-Technik?
Ausgangspunkt sind Kunststoffplatten. LTP bearbeitet die einzelnen Gehäuseelemente anhand digitaler Konstruktionsdaten, formt sie und fügt sie zum Gehäuse zusammen. Innenliegende Befestigungselemente sowie das gewünschte Finish werden entsprechend der abgestimmten Konstruktion vorgesehen.
So können Abmessungen, Bedienflächen und Öffnungen auf die tatsächlichen Einbauteile ausgerichtet werden. Display, Steckverbinder oder Kabeldurchführung bestimmen dann die Gehäusegestaltung mit, statt nachträglich in eine vorhandene Standardform eingepasst zu werden.
Mehr zum Ablauf: Fräs-Biege-Technik für Kunststoffgehäuse →
Bei welchen Projekten ist das Verfahren interessant?
Das Gerät befindet sich noch in der Entwicklung.
Wenn sich Anschlüsse, Einbauteile oder Abmessungen noch ändern können, ist eine frühzeitige Festlegung auf ein Formwerkzeug sorgfältig abzuwägen. Anpassungen lassen sich bei der Fräs-Biege-Technik in die Konstruktions- und Fertigungsunterlagen übernehmen. Die konkrete Änderung wird erneut technisch und wirtschaftlich geprüft.
Es werden Muster oder überschaubare Serien benötigt.
Ein funktionales Muster hilft, die Einbausituation vor der Serienfreigabe zu beurteilen. Ob anschließend derselbe Fertigungsweg beibehalten wird, sollte anhand des tatsächlichen Bedarfs entschieden werden.
Ein Produkt hat mehrere Varianten.
Unterschiedliche Schnittstellen, Fronten oder Beschriftungen können verschiedene Gehäuseausführungen erfordern. Klären Sie früh, welche Merkmale gemeinsam bleiben und welche je Variante angepasst werden müssen.
Wann sollten Sie auch andere Fertigungswege prüfen?
Die Fräs-Biege-Technik ist keine pauschale Antwort auf jede Gehäuseanforderung. Bei einem dauerhaft unveränderten Produkt mit planbar hohen Abnahmemengen sollte auch Spritzguss in den Vergleich einbezogen werden. Ebenso muss die gewünschte Geometrie zum Fertigungsverfahren passen.
Eine allgemeine Grenze wie „ab dieser Stückzahl ist Spritzguss günstiger“ wäre für individuelle Gehäuse zu ungenau. Größe, Form, Bearbeitungsumfang, Material und Oberfläche beeinflussen die Entscheidung gemeinsam.
Vergleichen Sie deshalb auf derselben Grundlage: identischer Funktionsumfang, gleiche Qualitätsanforderungen, realistischer Bedarf und ein klar definierter Entwicklungsstand.
Was Sie am Prototyp prüfen sollten
Ein Muster ist mehr als ein Anschauungsstück. Nutzen Sie es für die Fragen, die eine Zeichnung allein nicht zuverlässig beantwortet:
- Lassen sich Platinen und andere Einbauteile wie vorgesehen montieren?
- Sind Anschlüsse zugänglich und Kabel ausreichend berücksichtigt?
- Passen Displayposition, Bedienfläche und Beschriftung zum Bedienablauf?
- Entspricht die Oberfläche der vorgesehenen Anwendung?
- Welche Änderungen müssen vor der nächsten Fertigung freigegeben werden?
Anforderungen an Staubschutz, Feuchtigkeit oder EMV gehören bereits in die technische Abstimmung. Eine konstruktive Auslegung ersetzt jedoch keinen Prüf- oder Zertifizierungsnachweis. Erforderliche Prüfungen und die Freigabe des vollständigen Geräts müssen gesondert berücksichtigt werden.
Weitere Informationen: Kunststoffgehäuse-Prototypen →
Mit welchen Unterlagen starten Sie?
Hilfreich sind CAD-Daten, Zeichnungen oder Skizzen sowie Angaben zu den einzubauenden Komponenten. Ergänzen Sie den geplanten Bedarf, die Einsatzumgebung und die gewünschte Oberfläche. Benennen Sie auch Anforderungen, die noch offen sind.
LTP übernimmt Konstruktion und Fertigung der Kunststoffgehäuse. dynarep ist Ihr Ansprechpartner für Anforderungsaufnahme, technische Abstimmung, Angebot, Auftragsabwicklung und Lieferung.
Sie möchten den passenden Fertigungsweg für Ihr Gerät prüfen? Senden Sie uns Ihre Unterlagen über die technische Anfrage. Wir stimmen mit LTP ab, welche Ausführung zu Ihrem Projekt passt.
Häufige Fragen
Sind Änderungen nach dem ersten Muster möglich?
Ja. Änderungen können nach erneuter Abstimmung in die Konstruktionsdaten und die weitere Fertigung einfließen. Umfang, Kosten und Termin werden für die konkrete Anpassung bewertet.
Ist Fräs-Biege-Technik grundsätzlich günstiger als Spritzguss?
Nein. Es entfällt das Spritzgusswerkzeug. Die Wirtschaftlichkeit hängt aber zusätzlich von Geometrie, Ausführung, Stückzahl und Entwicklungsstand ab.
Kann ich mit einer Skizze statt fertigen CAD-Daten anfragen?
Ja. Auch Skizzen, Zeichnungen, Fotos und Angaben zu den Einbauteilen können als Grundlage für die erste technische Abstimmung dienen.
Wer produziert das Gehäuse?
LTP konstruiert und fertigt. dynarep übernimmt die technische Abstimmung sowie Angebot, Auftragsabwicklung und Lieferung.
Quellen und weiterführendes Wissen
Kunststoffgehäuse nach Maß bei dynarep
LTP: Fertigungsprozess Tôlerie Plastique
LTP: Kunststoffgehäuse ohne Formwerkzeug
LTP: Prototypen und Freigabe
Quellenstand: 27. Oktober 2026. Die Auswahl des Fertigungswegs wird für das konkrete Projekt geprüft.